Donnerstag, 21. April 2016

[Something to Think About] Über die Angst und das Positive Denken


Das Schicksal ist ein mieser Verräter. Oder ist das Schicksal kein mieser Verräter? Für manche ja, für manche nein. Und ob für mich das eine oder das andere zutrifft wird sich wohl bald herausstellen. Schon lange habe ich gesundheitlich zu kämpfen. Richtige Schwindelanfälle, es wird mir Schwarz vor Augen. Übelkeit. Wortfindungsstörungen. Koordinationsstörungen. Nasenbluten. Und vieles mehr. Die Tabletten wirken nur mäßig. Die Diagnosensuche ist ein einziges Hin und Her. Und das MRT habe ich noch vor mir. Und das steht sie nun vor mir. Die große Frage. Und das ist dieses Gefühl. Diese Angst. Tief versteckt in mir. Ich wage sie kaum laut auszusprechen. Was, wenn es doch mehr ist? Wenn es nicht heilbar ist? Und gleichzeitig eine andere Angst. Was wenn sie nichts finden? Denn was ist es dann? Ich kann ja nicht ewig so weiter machen! Diese ewige Suche nach dem Was. 

Vielleicht ist es ein Gehirntumor.

Vielleicht ist es Multiple Sklerose.

Vielleicht ist es etwas völlig anderes.

Vielleicht erfahre ich es am Montag.

Vielleicht erfahre ich es an einem anderen Tag.

Vielleicht erfahre ich es nie.

Ich bin kein Mensch, der einfach über seine Gefühle sprechen kann. Lieber spreche ich mit mir selbst. In meinen Gedanken. Still und leise. Und dann bildet sich dieser kleine, schwarze Knoten in mir selbst, der zuerst ganz still und leise existiert und irgendwann anfängt laut zu schreien. Dieser Knoten nennt sich Angst. Und irgendwann wächst dieser Knoten. Wird größer und lauter. Und man kann ihn nicht mehr ignorieren. Und dann? Muss man sich mit ihm auseinandersetzen. Mit jemandem Reden. 

"Ich brauche eine Blutabnahme. Kreatinwert. Für ein MRT." Die Frau lächelte mich freundlich an. "In Ordnung. Setzen Sie sich bitte dort hin, ich bin sofort bei Ihnen." Ich kremple also meinen Ärmel hoch. Ich weiß, dass sie den rechten Arm nehmen, den nehmen sie immer. Da sehen sie die Vene besser. Ich habe heute meine neuen Freddys an. Eigentlich dachte ich nicht, dass ich sie zum ersten Mal zu einem langen Neurologentermin, einer Blutabnahme und mit Sicherheit am Montag zu einem MRT-Termin anziehen würde, aber sie sind nun einmal so superbequem... Meine neue karierte H&M-Bluse habe ich auch an. Eigentlich viel zu overdressed für eine simple Blutabnahme. Aber ich verlasse in letzter Zeit so selten das Haus. Selbst Lebensmittel einkaufen wird zur Sensation. Es piekst kurz und ich schaue zu, wie mein Blut den Behälter füllt. Ich finde die Farbe irgendwie schön. "Für was benötigen Sie denn ein MRT?", fragt mich die Frau. Tja, für was benötige ich es. Ich schlucke kurz. "Weil meine Schwindelattacken einfach nicht verschwinden.", antworte ich. "Um einen Gehirntumor auszuschließen.", ergänze ich schnell. Jetzt ist es draußen. Zum allerersten Mal. "Wir müssen alles ausschließen. Multiple Sklerose auch. Das kam schon häufiger in meiner Familie vor. So vieles andere auch. Wer weiß schon, was das alles sein könnte..." Sie lächelt mich mitleidig an und entgegnet: "Positiv denken!" Ich nicke und gehe. Sie wünscht mir alles Gute zum Abschied. Ich winke, während mir das Wort Gehirntumor im Kopf kreist. 

Und das ist mein erster Schritt. Es laut Auszusprechen und nicht in mich Hineinzufressen. Und damit mein erster Schritt in die Richtung "Es wird schon alles gut werden" und "Das Leben ist wundervoll!". Positiv denken ist gar nicht so einfach. Vor allem wenn man von Natur aus nicht gerade ein positiver Mensch ist. Ich bin nicht optimistisch. Auch nicht pessimistisch. Eher realistisch. Ich denke nicht: Wird schon alles super werden. Und auch nicht: Geht bestimmt schief. Sondern: Könnte so oder so ausgehen. Aber ich versuche es jetzt einfach mal auf die Art, wie meine Mutter es mir schon seit meiner Kindheit versucht anzutrainieren. Auf die positive Art. 

Alles wird gut. 


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